Ist die Kritik an Trockenfutter berechtigt?

Zugegeben, das Thema ist strittig. Letztendlich kommt es aber nur auf das Trinkverhalten der jeweiligen Katze an. Trinkt sie gut, ist Trockenfutter kein Thema. Tut sie das nicht, sollte man sich auch mit dem warum beschäftigen und es nicht nur mit Nassfutter lösen. Oft steckt mehr dahinter.

Am schlechten Trinkverhalten ist allein der Mensch schuld, NICHT die Natur der Katze.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube und vorallem eine willkommene Ausrede: Katzen seien sogenannte Wüstentiere, und würden ihren Wasserbedarf über ihre Beutetiere decken, also quasi wie Kamele... Scherz beiseite, das kann aus mehreren Gründen gar nicht stimmen:

  • Ja, Mäuse (Hauptbeutetier) bestehen zwar aus bis zu 80% Wasser, aber auch aus vielen Phosphaten und Salzen. Zu versuchen alleine darüber den Wasserbedarf zu decken, wäre wie einem durstigem Menschen Blut oder Meerwasser zu geben.
  • In einer Wüste ohne Wasser gibt es auch keine Mäuse oder sonstigen Beutetiere die selbst genauso auf das Vorkommen von Wasser angewiesen sind. Wüste = kein Wasser = keine Mäuse = keine Katzen.
  • Außerdem ist es doch offensichtlich, dass sich Wüstentiere dadurch auszeichen kaum Wasser zu brauchen, was, wie wir alle wissen, auf Katzen ebenfalls nicht zutrifft.

Auch in Wikipedia werden Katzen nicht genannt, wenn es um Wüstentiere geht: https://de.wikipedia.org/wüstentiere
Unsere Katzen wie wir sie heute kennen hat ihre Usprünge in Asien: https://de.wikipedia.org/wiki/Hauskatze#Abstammung

Ursachen für schlechtes Trinkverhalten

  • Katzen können, wie alle Säugetiere, von Geburt an eigentlich sehr gut trinken, das ist das Allererste, was sie lernen - Muttermilch zu trinken. Doch gleich danach kommt der Mensch, sicher in bester Absicht, und gibt dem süßem Katzenbaby nur Nassfutter (was mit über 80% Wasseranteil jeden natürlichen Durst verhindert). Leider stellen viele Katzenbesitzer bei erwachsenen Katzen das Futter dann auf Trokenfutter um: die Katze ist nicht mehr so süß, Nassfutter macht mehr Arbeit, ist teurer, Trokenfutter einmal am Tag auffüllen und fertig. 
Dadurch fehlt die Erfahrung in der Prägungsphase, den Wasserbedarf über normales Trinken zu decken.
  • Katzen trinken oft nicht gerne da, wo sie fressen. Aber genau da stellt der Mensch ihnen eine Schale Wasser hin, tauscht es nicht oft genug aus oder lässt es irgendwann ganz sein; "ist ja noch was drin".

Abhilfe? Schwierig!

Ist der Zug in der Prägungsphase erst mal abgefahren, ist guter Rat teuer. Trinkt die Katze nicht, gibt es keine Alternative zum Nassfutter (außer z.B. Trokenfutter einzuweichen, was nicht jede Katze mag). Ein Katzenbrunnen kann unter Umständen Abhilfe schaffen. Es gibt auch bestimmte Geschmacksmittel, die man in das Trinkwasser mischen soll, um die Katze zum trinken zu bringen. Bewährt hat sich, der Katze mehrere Möglichkeiten anzubieten, also an verschiedenen Stellen der Wohnung / des Hauses Wasser zur Verfügung zu stellen.

Ist das normal?

Nein, die allermeisten Katzen trinken von ganz alleine genug wenn sie die Möglichkeit haben. Es geht hier um ein erhöhtes Risiko und Fehler von Menschen die das Risiko erhöhren können, nicht um eine Regel.

Folgen

Katzen sind "hart im Nehmen" daher machen sich die Folgen eines unzureichenden Trinkverhaltens leider oft erst dann bemerkbar, wenn quasi jede Hilfe zu spät kommt. Die Folgen können sich dann in Harngriess, Harnsteine oder chronische Nierenisuffizienz (CNI) äußern.

Harnsteine und Harngries können sich durch Blut im Urin äußern. Diese Steine/Gries sollten in einer OP entfernt werden. Eine Alternative zur OP gibt es nicht und die OP sollte auch so schnell wie möglich durchgeführt werden. Anschließend ist mindestens eine Futteroptimierung zu empfehlen.

Vorbeugen

  • Kontrolle des Trinkverhaltens, auch wenn es besonders bei Freigängern schwierig sein kann.
  • Routine Untersuchungen beim Tierarzt (Harnsäurewerte im Blut (nicht im Urin) testen lassen).
  • Die Katze bereits von Anfang an, für das Trinken begeistern, z.B. mit einem Trinkbrunnnen.
  • In der Prägungsphase nur bedingt Nassfutter geben, damit sie lernt, das Trinken gegen Durst hilft.
  • Es gibt für Katzen mit Taurin angereichertes Trinkwasser zu kaufen (Marke: MultiFit). Falls man zu hartes Wasser hat, kann man aber auch normales, stilles Wasser kaufen. Taurin sollte ausreichend über die Nahrung aufgenommen werden.
  • Das Trockenfutter einweichen und nicht zu viel auf einmal geben, so schleckt die Katze das übrigens Wasser auf, weil sie noch Hunger hat. 
  • Generell nicht mehr Futter anbieten, als die Katze essen sollte <- Wichtig um auch anderen Krankheiten wie Diabetis* vorzubeugen.
  • So Phosphatarm füttern wie Möglich. Amicat hat für Katzenfutter zwar nicht besonders viel Phosphat (0,86%), aber immer noch mehr als für CNI-Kranke Katzen empfohlen wird (Allerdings bekommt man dieses Futter oft nur vom TA). Benevo macht leider keine Angaben diesbezüglich.
  • Generell hat ein Futter auf Pflanzenbasis von Natur aus ein besseres Omega3/6 Verhältnis, ist einem Standard Futter auf Fleischbasis also durchaus vorzuziehen.

*Und was ist mit Diabetis?

Oft wird behauptet, dass Diabetis auch von Trokenfutter verursacht werden kann. Das stimmt nur sehr bedingt. Auch hier ist wieder eher der Mensch der Schuldige. Je nach Typ wird Diabetis, wie auch beim Menschen, durch übermäßige Nahrungsaufnahme verursacht. Und hier ist der Unterschied zu Nassfutter der, dass Trokenfutter der Katze oft unbegrenzt zur Verfügung gestellt wird. Bei Hunden weiß man es besser. Katzen fressen zwar nicht bis sie buchstäblich platzen, aber je nach Alternativen ist das auch eine sehr beliebte Beschäftigung. Leider mit entsprechenden Spätfolgen.