Palmöl ist ein sehr problematisches Produkt. Ölpalmen wachsen in tropischen Regenwaldregionen. Darunter ist vor allem Sumatra, eine Insel Indonesiens, bekannt für seine slash-and-burn Methoden. Im "Leuser-Ökosystem" (nicht identisch mit dem Gunung Leuser National Park) leben einige der am meisten bedrohten Säugetierarten, darunter der Sumatra Orang Utan, der Sumatra Tiger, das Sumatra Nashorn und der Sumatra Elefant.

Hier einige Probleme in Kurzfassung:

  • Die Palmölproduktion ist zum wichtigen Wirtschaftszweig Sumatras geworden. Regenwaldgebiet wurde in der Vergangenheit immer wieder illegal niedergebrannt, um die entstehende Fläche für den Anbau von Ölpalmen zu nutzen.
  • Bedrohte und stark bedrohte Tierarten verlieren ihren natürlichen Lebensraum bzw. haben ihn bereits verloren und leben vorrangig in Nationalparks. Davon profitiert die Tourismusindustrie, nicht aber das Ökosystem.
  • Obwohl die Palmölproduktion eigentlich sehr ergiebig ist, also relativ wenig Fläche benötigt wird um viel Palmöl zu gewinnen, sind die Anbaumethoden in den meisten Fällen sehr zerstörerisch und nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Wo kann Palmöl enthalten sein?

  • in Margarine
  • in Kerzen
  • in Kosmetika (Lippenstift, Shampoo)
  • in Waschmittel
  • in vielen Fertigprodukten von Süßigkeiten und Eiscrème bis Tortellini, Brotaufstrich, Fertig-Teigen und Instant-Nudeln
  • auch in einigen rein pflanzlichen Fertigprodukten!
  • in Verpackungen, z.B. Brotverpackung
  • in Biodiesel
  • laut WWF in 50 % aller Supermarktprodukte

    Ist Palmöl generell schlecht?

    Nein, denn:

    • Viele Menschen sind wirtschaftlich abhängig von der Palmölproduktion. Ölpalmen sind ergiebig. Das Problem ist, dass die Sache nachhaltig gemacht werden muss.
    • Die Produktion von nachhaltigem Palmöl steigt. Nachhaltig angebautes Palmöl wird aber leider zu wenig abgekauft. 
      Quelle: Unseen - The Movie
    • Palmöl aus Ghana und generell aus Afrika hat einen besseren Ruf als der aus Südostasien (Sumatra bzw. Indonesien) - ob dieser gerechtfertigt ist, soll und kann hier nicht garantiert werden, da bereits mit dem hiesigen Bio-Siegel viel Betrug getrieben wurde. Die Frage ist, ob Konsumenten dazu bereit sind, mehr zu bezahlen, wenn ihr Vertrauen in bekannte Hersteller immer wieder enttäuscht wird und sich daher die Einstellung, dass "sowieso alles dasselbe" ist, verbreitet.
    • Da Misstrauen leider gerechtfertigt ist, müssen sich Unternehmen einer noch nicht dagewesenen Transparenz verschreiben, um wieder Vertrauen  beim Konsumenten aufzubauen. 
      Andererseits investieren viele Hersteller nicht in teurere Rohstoffe, solange ihre Kunden gegenüber der Problematik gleichgültig sind. Wozu auch, solange es dem Kunden vorranging um Bequemlichkeit geht?
    • Palmöl kann auch nachhaltig angebaut werden. Viele große Unternehmen wollen in Zukunft zurückverfolgbar machen, aus welchen Regionen das von ihnen verwendete Öl kommt. Das ist ein Fortschritt, der leider nur sehr langsam implementiert wird und daher durch uns Konsumenten vorangetrieben werden muss.

    Was kann ich als Konsument tun?

    • Informieren Sie sich. Schauen Sie sich Filme wie Green an und googlen Sie Dokumentationen über Palmölanbau. Die Website von Green informiert außerdem über Zusammenhänge und Unternehmen, die mit Palmölanbau zu tun haben.
    • Die Anbaumethoden müssen sich ändern. Dafür muss für nachhaltig anbautes Palmöl eine weltweite Anfrage enstehen. Billiges Öl aus verantwortungsloser Herstellung muss zum Tabu werden.
    • Kontaktieren Sie Hersteller und Händler und zeigen Sie, dass nachhaltige Anbaumethoden Ihnen wichtig sind. Auf der Unseen Website können Sie Unternehmen direkt an-tweeten und ihnen mitteilen, worauf Sie achten. (Ganz unten "Germany" auswählen.)
    • Setzen Sie sich aktiv für die Zertifizierung von Palmöl ein. Auf "Better Palm Oil" gibt es einige Beispiele für palmölfreie Produkte und weitere Informationen zum Thema (siehe Infografik - sehr gut).
    • Meiden Sie Fertigprodukte so gut wie möglich und kochen Sie selbst. (Für Veganer ohnehin ein weitverbreiteter Umstand.)
    • Bewusster Konsum, der nicht bei tierisch/pflanzlich aufhört. Achten Sie beim Einkauf auf die Zusammensetzung Ihrer Produkte. Bei der Angabe "Pflanzliche Öle" ohne weitere Erklärung können Sie davon ausgehen, dass Palmöl drinsteckt - und höchstwahrscheinlich nicht aus zertifiziert nachhaltigem Anbau. Wenn Palmöl ohne Hinweis auf nachhaltigen Anbau drinsteckt, können Sie zu Alternativen greifen. Oder?
    • Geben Sie durch Ihren direkten Konsum und Kundenanfragen an Hersteller weiter, dass Sie Produkten, die Palmöl enthalten, kritisch gegenüberstehen und Produkte ohne Palmöl oder Produkte mit Palmöl aus garantiert nachhaltigem Anbau bevorzugen.

      Kundenanfragen allein reichen aber nicht. 
      Die Herstellungsweise muss sich ändern und das wird sie erst, wenn sie uns Konsumenten nicht mehr egal ist.